So ist es immer - ehrgeizig ist aller Anfang, jeder Tag bringt einen neuen Eintrag, jedes Detail wird berichtet. Und dann, irgendwann, schleicht sich der innere Schweinehund ein. Mal mit scheinbar sinnvollen Argumenten ("Ach, nochmal über eine Party schreiben ist doch doof"), manchmal mit eher mäßig cleveren Ausreden (Danke, Jazz, für das Anfixen mit Pacman!). Heute aber will ich mich quälen und einen "kurzen" Abriss über die letzten Tage geben:
Donnerstag
Der Tag der Introducción. Gemeinsam mit ca. 150 anderen Studenten (die Introducción wird in vier Schichten gemacht - insgesamt sind wir ca. 600 Extranjeros) saß ich in der Aula, habe mir eine vollgepackte PowerPoint angeschaut, wenig verstanden, und auch die anhscließenden Fragerunden mit Studenten nicht sooo hilfreich gefunden. Aber, ganz großartig: Das Weggehen danach! Es gibt hier eine Studentengruppe - die "Comisión" -, die für uns Intercambios alles Mögliche organisiert. Im Anschluss an die Introd. zum Beispiel einen Ausflug an den bislang urtümlichsten Ort in Santiago - die Pioquera (Übersetzt: Spundloch / Spelunke; das ist aber der richtige Name - angeblich auf einen Präsidenten Chiles zurückzuführen, der die hier Anwesenden eher abfällig betitelte).
Inmitten von Bierbänken, folkloristischer Gitarrenmusik, Gegröle, dampfenden Töpfen (ein bisschen Kartoffel - viel fettes Fleisch), betrunkenen (sehr freundlichen!) Chilenen aller Altersstufen und dichten Rauschschwaden standen also wir, ca. 60, Wagemutigen ein wenig verloren herum. Das gab sich mit dem ersten Terremoto (dt.: Erdbeeben; ein Getränk aus viel Alkohol und Zitroneneis im stilechten Plastikbecher) relativ schnell, und ein paar sehr nette Leute hat man auch ziemlich fix kennengelernt. Ein Ort, an den ich jeden der nach Santiago kommt unbedingt hinführen muss!
Freitag
Der Tag an sich war nicht weiter erwähnenswert. Abends hat die umtriebige Comisión allerdings gleich eine weitere Party für uns organisiert, diesmal etwas gesitteter in einer szenigen Bar. Auch nicht wirklich besonders, wäre da nicht das Ende gewesen... Mein Gespür für die wichtigen Kontakte ausnutzend erfuhr ich, dass diejenigen, die lange genug warten und einen offenen Eindruck machen, auf eine Privatparty mitkommen könnten. Diese heißen "Asado Copete" - Asado steht für "Grillfest" (der Vorwand) und "Copete" für die mitzubringenden Getränke (der Zweck). In Roberts Apartment im 10. Stock, mit tollem Balkon, haben wir dann also die Nacht verbracht. Sehr großartig, und außerdem keine Eintagsfliege - Robert versicherte mir, dass hier regelmäßig Feste stattfänden, und auch seine Nummer habe ich mir in weiser Voraussicht gesichert.
Samstag
1.) Körperwelten... Die Ausstellung. Uah... ja, ich war drin (samt Janina, meiner Mitbewohnerin und ihren Freunden), und ja, ich kann sie empfehlen, und nein, ich habe das Gehirn zum Anfassen nicht berührt.
2.) Netter Abend. Zuerst asiatisch Essen gehen in großer Runde (ca. 15 Leute, alle von den Festen der Vortage zusammengetragen - hier entwickelt sich sowas wie ein netter Freundeskreis in meinem Viertel. In Santiago isst man übrigens sehr gerne, gut & billig Sushi.), danach gemeinsames Ausgehen in einen Club, 2 Minuten von meinem Haus. Das Szeneviertel macht sich bezahlt. Bis 4 geblieben, wieder mit neuen Leuten, wieder nette Bekanntschaften, und mit einer nicht lang fackelnden Mitbewohnerin: Kaum drei Minuten da, schon einen Chilenen an der Angel.
Sonntag
Nach ein paar eher regnerischen Tagen hatte sich der Smog verzogen - und zu sechst haben wir dann den Cerro San Christobal, den höchsten Berg der näheren Umgebung (noch nicht in den Anden! ;-)) bestiegen. Bild folgt:

Ein großartiger Blick, und noch großartigeren Bergen um uns herum. Kurzerhand wurde dann auch folgerichtig der Entschluss gefasst, kommenden Sonntag Skifahren zu gehen...
Der Abend war dann ein ganz normaler: Mit Kochen, nettem Beisammensein und verhältnismäßig frühem Zu-Bett-Gehen.
Montag
Endlich der Tag heute - der erste Unitag. Frustriert nehme ich zur Kenntnis, dass die BWL-Kurse, die mich interessieren, keine gültigen Raum-, Zeit- und Prof.-Angaben haben, und mir scheinbar auch niemand helfen kann, werde ich wohl einzig Journalismus-/Kommunikationswissenschaftskurse belegen. Und Bergsteigen :-).
Der einzige Kurs (Multimedia-Journalismus) heute war recht harmlos; zum Einen ist er auf Englisch (mein wohl einziger), zum anderen ist es eher ein in lockerer Atmosphäre ablaufendes Durchspielen verschiedener Interview-Situationen für verschiedenen Medien. Ich denke, diesen Kurs werde ich behalten :-) (das Verfahren sieht vor, dass wir uns in dieser Woche alle für uns interessanten Kurse angucken und dann kommende Woche einschreiben).
So, bevor ich auch den heutigen Abend haarklein wiedergebe eine kurze Warnung an alle, die sich um meine Sicherheit in diesem üblen Südamerikansichen Land sorgen: Es geht um einen Überfall nur zwei Straßen von der meinen entfernt. Aber jetzt habt ihr es eh gelesen und könnt also getrost auch weitermachen.
Eine Freundin wurden auf dem Heimweg ca. 200 m von ihrem (und ca. 800 Meter von meinem) Haus entfernt überfallen, sie war in einer Gruppe mit zwei weiteren Mädels unterwegs. Zwar konnte sie ihre Tasche retten (dank beherzt eingreifender Leute aus der Bar gegenüber), wurde aber zu Boden gestoßen und stand doch etwas unter Schock, als ich dazukam, um die drei nach Hause (eine wohnt nicht in unserem Viertel) zu begleiten.
Naja, shit happens. Ich fühle mich hier trotzdem wohl. Und meiner großen Schwester wurde ja schließlich auch das Handy gemopst (ok, der Vergleich "hinkt" ein wenig).
So viel wieder von mir, jetzt kann der Schweinehund wiederkommen!
1 Kommentar:
es gibt auch leute die nichts zu tun haben und gerne was lesen würden... sind jetzt ja schon wieder tage ohne einträge vergangen. schick deinen schweinehund mal gassi und schreib was!
Kommentar veröffentlichen