Heute mal ein Eintrag ohne viele spektakuläre Ereignisse (dafür wohl auch ohne Fotos - ich liege gerade faul in der Hängematte im Patio, genieße die Nacht und werde jetzt nicht aufstehen und meine Kamera holen...). Dafür möchte ich einfach mal ein paar Eindrücke vom Leben hier schildern.
Für sich genommen ist allerdings vorab erwähnenswert, dass wir am Freitag die erste Carrete (= Party) hier bei uns im Haus organisiert haben - und sie extrem gut war! Zu Höchstzeiten waren wohl so an die 90 Leute im Haus, mein Zimmer fungierte (ohne Möbel) als Tanz-Raum und die letzten Gäste gingen gegen 6-7 Uhr morgens. Un seitdem bekommen wir von allen Seiten Komplimente: für die Party, insbesondere aber auch für unser tolles und gemütliches Haus. Wer also gemütlich in Santiago Urlaub machen möchte ist herzlich willkommen!
Ansonsten geht das Leben hier so langsam geordnetere Bahnen: Meine Kurse (bislang nur zwei, am Dienstag beginnt der dritte) sind nett & interessant, in noch aus Stuttgart bekannter Manier wird viel zu Hause gekocht (vegetarisch - zwei meiner Mitbewohner sind Vegetarier. Da lebe ich im Land der Würstchen und des guten Fleischs und wohne mit Vegetariern!), und über Möglichkeiten, etwas mit meinen Freunden zu unternehmen kann ich mich auch nicht beklagen. Einzig das Reisen kommt mir (noch) zu kurz. Eigentlich war ein Kurztrip nach Mendoza für dieses Wochenende geplant, der aber aus Zeitmangel verschoben werden musste. Spätestens jedoch wenn Melanie mich auf ihrer Südamerika-Reise Ende September besuchen wird ist ein längerer Ausflug in den Norden abgemacht!
Mein Spanisch wird auch so langsam. Das größte Problem ist es für mich immer noch, die Chilenen zu verstehen. Es gibt wohl kein anderes spanischsprachiges Land, in dem
die Leute a) so schnell, b) so genuschelt und c) mit so vielen eigenen Ausdrücken ("Chilenismos") sprechen (die wichtigsten: huevon = Kunpel, Arschloch; hueva = das Ding / Zeug; bacán = geil; po = drückt einfach eine qualitative Steigerung aus - so ist der "Miércoles Po" bspw. eine große Party am Mittwoch; Carrete - Party; copete - mitgebrachter Alkohol; ...) Als Trost bleibt mir, dass ich nach Chile wohl jedes Spanisch der Welt werde verstehen können. Das Reden klappt mehr oder weniger gut (zumindest kriege ich regelmäßig Komplimente...), allerdings muss ich jetzt langsam mal für weitere Fortschritte mehr Vokabeln lernen. zwei spanische Bücher liegen schon auf meinem Nachttisch: "Momo" und Erzählungen von Poe. Da liegen sie allerdings schon seit knapp einer Woche, ohne dass ich reingeguckt hätte...
Ich habe meine erste "Prueba de la lectura" hinter mich gebracht und eine 4,0 bekommen - das ist genau in der Mitte (das Beste ist eine 7,0) und ist in etwa vergleichbar mit einer 3,7. Aber immerhin bestanden! Und einige Chilenen haben schlechtere Noten, hah!
Meine Rippe tut immer noch immer mal wieder weh, wird aber besser. Den Heilungsprozess werde ich jetzt aber gnadenlos abwürgen: Heute habe ich wieder mit Jogging angefangen, Dienstag kommt mein neuer Sport - Capoeira.
Zuletzt noch dieses: Der Frühling ist da! Und das macht das Leben hier wirklich toll! Zwar ist es ab und zu immer noch etwas kühl im Haus, aber zumindest frieren muss man kaum noch. Heute waren wir den ganzen Tag im T-Shirt unterwegs und auch das Asado (Grillfest) gestern fand wieder im Freien statt. Jetzt muss ich nur noch ein paar Sachen für die neuen warmen Temperaturen shoppen gehen - für den Winter war ich gut ausgerüstet, aber jetzt müssen neue T-Shirts und (dank dem Dieb vom dritten Tag) eine neue Sonnenbrille her.
Soweit von mir, ich freu mich über Nachrichten aus der Heimat!
Alles Gute,
Felix
P.S.: Ein Foto habe ich dann doch noch gefunden: Von einer sehr witzigen nacht mit meinen Wohngenossen (Mario hat das Foto gemacht) in der Karaoke-Bar unseres Vertrauens. Außer uns war niemand da, was der Sache aber keinen Abbruch getan hat. So konnten wir immerhin alles geben, was wir konnten!










